50jähriges Jubiläum
Laut den bestehenden Vereinsstatuen der Naturfreunde Winterthur liegt die Gründung der Kajakgruppe genau 50 Jahre zurück. Im Sommer 1950 wagten 9 Hobbyböötler der Naturfreundesektion Winterthur den grossen Schritt und gründeten aus Freude und Überzeugung zur Sache die Faltbootgruppe. Die Böötlerpioniere von damals waren vorwiegend mit 2er Faltbooten unterwegs. Bald verbreitete sich auch das 1er Boot in der gleichen Technik - von Kunststoffkajaks wagte damals noch keiner zu träumen...
Zu Fuss und per Zug starteten und endeten die damaligen Bootstouren. Die Faltboote in Segeltuchsäcken verstaut und das Ganze auf den Rücken geschnallt, so traf man sich am Bahnhof zu den Wochenend-Paddelabenteuern. Als wichtiges Utensil galt natürlich das Reparaturmaterial, das aus Gummiplätzen, Leim, Nähzeug und sonstigen komischen Gegenständen bestand. Es gehörte unabdingbar zur persönlichen Ausrüstung, um die von den unerwünschten Steinberührungen herrührenden Schlitze in der Bootshaut wieder zu verschliessen.
Anfangs der 60er Jahre sorgten die ersten Kunststoffkajaks für Aufsehen. Die Winterthurer waren an der Entwicklung und Verbreitung dieser Glasfaser-Polyester-Boote stark beteiligt. Die Zugpferde aus jenen Jahren, wie etwa Walti Bhend, dessen Vater übrigens bei der Gründung der Paddlergruppe beteiligt war, bauten sich nun die Boote selbst. Meist diente dazu die Scheune des legendären Wildwasserexperten Köbi Zehnder aus Stadel. Klotzig und schwer verliessen die Neuboote die Negativform. Als ebenso auffallend schwer erwiesen sich die selbst gebauten Holzpaddel.
Vom Material her war eines jedoch etwa ähnlich wie heute: Das Sportmaterial brauchte Platz. Ebenfalls in den 50er Jahren rückten die Bauarbeiter mit ihren Maschinen zum Baubeginn der Schulhausanlagen in Veltheim an. Bereits zwei Jahre später war der Neubau für die Schulen bezugsbereit. In diesen Anlagen befanden sich auch einige Kellerräume, die als Abstelllager genutzt wurden. Die initiativen Böötlerpioniere erreichten eine mündliche Bewilligung des Schulamtes Winterthur zur Benützung eines Kellerraumes unter den Turnhallenanlagen des Schulhauses Feld an der Löwenstrasse. Der feuchte Raum mit kiesigem Naturboden war etwa das erdenkbar schlechteste Klima für die mit Stoff bespannten, holzgerippten Faltboote. Doch schlussendlich war man froh, überhaupt einen Raum zu haben, um die Faltboote und Kajaks einlagern zu können. Ein einfaches Eisengestell, verschraubt und verstrebt, war die erste Investition bezüglich Innenausbau dieses Raumes.
Es gab Jahre, da stiegen die Mitgliederzahlen der Gruppe bis auf 20, dazwischen waren noch zwei bis drei Aktive, die untereinander das Präsidium und die Kasse zu betreuen hatten. Immer mehr geriet in jenen Jahren auch der Bootsraum in Vergessenheit. Kleinere Vereine nisteten sich am gleichen Ort noch ein. Ein Drittel des Raumes war permanent mit Altpapier belegt. Doch immer, während all den Jahren der Hoch und Tiefs der Böötlerwogen, blieb das mündliche Versprechen bestehen und die Benützung des Raumes durch die Paddler der Naturfreunde Winterthur dauerte an, bis zum heutigen Tag.
Genau 40 Jahre nach dem Gründungsjahr der "Faltbootgruppe" waren die Aktivitäten, aber auch die Mitgliederzahlen, auf einem neuen Zenit angelangt. Das wachsende Bedürfnis nach einem eigenen Clublokal erlangte immer mehr an Bedeutung. Nicht nur Boote lagern, auch einen Platz für Film- und Diaabende, Touren und Ferienbesprechungen, einen Platz für Geselligkeit. Ein Ort zum Bau und Reparieren von Booten usw. Das alles waren damals die Gründe, die die Böötler zum Handeln anspornten. Nach Erhalt des Einverständnisses der Stadtverantwortlichen zu einem Umbau des Bootsraumes, nahm ein gefreuter Abschnitt im Bestehen der Faltbootgruppe seinen Anfang.
Dank unzähliger Fronstunden, Spenden sowie wertvoller fachlicher Unterstützung von den Berufsleuten aus der Kajakgruppe konnte der Umbau planmässig und ohne grosse Friktionen nach wenigen Monaten beendet werden. Bis 40 Bootsplätze, Materialkästen, Tische mit Stühlen und Eckbank für etwa 30 Personen sowie eine Grossleinwand für Bildprojektionen waren das Resultat.
Durch die Realisation dieses Clubhauses war es der kleinen Gruppe von Idealisten vermehrt möglich, die Idee des Vereinslebens intensiv zu verwirklichen. Die sinnvolle Gestaltung der Freizeit, das gemeinsame Erleben der Natur, das Ausüben des Kajaksportes im Kreise Gleichgesinnter, das Fördern eines positiven Denkens zum Thema Naturschutz, Jugendliche in einem neutralen sozialen Umfeld zu diesem Sport hinführen und nicht zuletzt dank kameradschaftlicher Gemeinsamkeiten und Erlebnissen wertvolle Freundschaften aufbauen.
Durch das grosse Engagement in den letzten Jahren im Nachwuchsbereich hat sich die Gruppe gute Voraussetzungen geschaffen, den Mitgliederbestand auf einer ansehnlichen Zahl zu halten. Immer wieder fanden Jugendliche aus den Schulsportkursen Gefallen am Wassersport und schlossen sich dem Club an. Dank den wöchentlichen Trainings im Hallenbad sind die Anfänger auch sehr schnell WW-tauglich und können sich gefahrlos an Touren und Unternehmungen beteiligen.
Heute sind die Aktivitäten der Gruppe sehr umfangreich und bieten nebst Kanulagern im In- und Ausland auch Tages- und Wochenendtouren. Ebenso finden sich im Programm Unternehmungen, die jeweils zu gemütlichen Familienanlässen werden, wie Dia-Abende, Ski- und Wanderausflüge oder eben einfache Wanderpaddeltouren auf Flüssen in unserer nahen Umgebung.
Das Materiallager vergrösserte sich entsprechend den Mitgliederzahlen. Bis 20 Clubboote und über ein Dutzend komplette Ausrüstungen sind heute bereits im Clubinventar. Die Lebensdauer der Kunststoffboote wird immer länger (im Gegensatz zur Länge der Boote, die immer kürzer wird!). Der WW-Rodeotrend beginnt auch bei den Winterthurern durch zu dringen. Ebenso versuchte sich bereits mehrere Male eine eigene Mannschaft an internationalen Kanupolo-Wettkämpfen.
Eine gute Mischung von erfahrenen, erfolgreichen, älteren Kanuten und Kanutinnen sowie den zahlreichen, jungen (draufgängerischen) Nachwuchsfahrern bilden das Vereinsgerippe. Die Zukunft sieht für die Gruppe gut aus: Ein eigenes Clublokal mit Bootshaus, zahlreiches und gutes materielles Inventar, gänzjährige Hallenbadbenützung, Akzeptanz und Wohlgesinnung bei der Stadtverwaltung und beim hiesigen Sportamt und natürlich mit einer starken Vereinsorganisation (NFW) im Rücken, von der die Böötler in so manchen Belangen profitieren können.
All dies sind Eigenschaften und Vorzüge, auf die die lebendige Kajakgruppe stolz sein darf.
In diesem Sinne startet die Gruppe auch zuversichtlich und unternehmungslustig in die zweite Halbzeit des hundertjährigen Bestehens.
