Die Eskimorolle - von Richard Limacher
Nach fünfjähriger Kajakkarriere mit einer unzuverlässigen Eskimorolle habe ich beschlossen die Handrolle zu erlernen. Intensives Training im Hallenbad während einer Wintersaison brachte mir den gewünschten Erfolg. Seither macht Kajafahren noch viel mehr Spass. Ich möchte alle ermuntern, die Eskimorolle zu lernen. Es muss ja nicht unbedingt die Handrolle sein. Doch gerade einem Anfänger empfehle ich als erstes, die Handrolle zu erlernen. Denn sie enthält die wichtigste Bewegung, das Aufdrehen des Bootes. In gewissem Sinne ist die Handrolle sogar einfacher, da ich mich nicht auch noch auf die Paddelführung konzentrieren muss.Die Handrolle
Eine Welle hat mich zur Kenterung gebracht. Nun hänge ich kopfüber im Boot. Was nun? Als erstes bringe ich den Oberkörper an die Wasseroberfläche. Entgegen dem Reflex, den Kopf aus dem Wasser zu heben, lasse ich diesen im Wasser. Hier bleibt er so lange wie möglich, denn im Wasser ist er durch den Auftrieb praktisch schwerelos. Ich beginne das Boot aufzudrehen. Schliesslich beginnt es, den Oberkörper aus dem Wasser zu ziehen. Als letztes verlässt der Kopf das Wasser und bewegt sich nach vorn über das Boot. Dadurch reduziert sich das Drehmoment, welches mich wieder ins Wasser zurückzuziehen droht. Während dem Aufdrehen erzeugen die Hände mit Schwimmbewegungen das noch notwendige Aufrichtmoment.Die Bewegung lernen
Der Erfolg beginnt beim Material. Als Anfänger wähle ich bevorzugt ein rundes Boot (z. B. einen Topo). Die Fussstützen stelle ich so ein, dass ich bequem mit einem guten Halt im Boot sitze. Übrigens gilt diese Regel auch auf dem Bach. Eine Nasenklammer verhindert das lästige hoch kriechen des Wassers in die Stirnhöhle. Zur besseren Orientierung benutze ich eine Schwimmbrille.Eine gute einleitende Übung ist das Suchen des Kipppunktes: Ab wann kentere ich? Nach der Kenterung Ruhe bewaren, ich habe genügend Zeit. Vor dem Aussteigen zähle ich auf 10.
Bei der weiteren Übung halte ich mich am Basinrand fest. Mit dem Oberkörper und dem Kopf tauche ich ins Wasser. Ich überprüfe die Lage des Bootes. Die Bootsspitze sollte zum Basinrand zeigen. Dadurch ist der Winkel Oberkörper zum Boot kleiner als 90°. Hier bin ich beweglicher, als wenn ich Rücklage habe. Jetzt beginne ich das Boot aufzudrehen. Immer weiter drehen. Schliesslich zieht es den Oberkörper aus dem Wasser. Dabei bleibt der Kopf solange wie möglich im Wasser. Den Kopf bringe ich nach vorn übers Boot. Die ganze Bewegung optimiere ich auf eine möglichst geringe Auflagekraft der Hände am Rand. Ich empfehle, beide Seiten zu üben. Optimalerweise korrigiert ein Kollege den Bewegungsablauf. Später ersetzen die Hände des Kollegen den Basinrand, bis er schliesslich nur noch für den rettenden Einsatz daneben stehen muss. Ist kein Kollege zur Hand, kann ich kopfunter mit dem Boot zum Aufrichten an den nahen Basinrand schwimmen.
Automatisieren
Damit die Rolle auch in der Hektik funktioniert, ist es unerlässlich, die Bewegung zu automatisieren. Dies erreiche ich durch häufiges Wiederholen, bis ich nicht mehr überlegen muss, wie es geht. Ab einem gewissen Level wird jeder bessere Versuch automatisch gespeichert.Lernpsychologie
Warum meide ich die beiden Begriffe Hüftschwung und Hüftknick? Der Mensch ist sich gewohnt, sich auf Gegenstände zu konzentrieren. Hingegen ist er irritiert, wenn er sich auf ein eigenes Körperteil fokussieren soll. Darum: Das Boot aufdrehen!Zusammenfassung
Entscheidend ist das Aufrichten des Bootes. Schliesslich möchte ich in einem aufrechten Boot sitzen. Damit ich nicht wieder ins Wasser zurückplumpse, lasse ich den Kopf so lange wie irgend möglich im Wasser. Beim Beherzigen dieser beiden Punkte genügt das Aufdrehmoment, welches ich mit den Händen erzeuge.Viel Spass und Erfolg beim Erlernen der Handrolle! Richard
| Bildfolge zur Handrolle |
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| Bildfolge zur Übung am Basinrand |
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